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Montag, 21. Mai 2018

Jean-François Lefèbvre

So geht lesen, surfen, Wissen ansetzen. Ich lese einen ZEIT-Kommentar, in dem es heißt:

„Dass Voltaire sich wie viele andere Aufklärer nicht als Atheist sah, hat möglicherweise vor allem mit der damals brutalen Verfolgung von 'Gottesleugnern' und 'Ketzern' durch die Kirche zu tun. Voltaire setzte sich u.a. für den 19jährigen Chevalier La Barre ein, der 1766 gefoltert und enthauptet wurde (man verzichtete im letzten Moment darauf, ihm, wie im Urteil gefordert, vor der Enthauptung die Zunge herauszuschneiden). (zeit.de)

Dann schlage ich schnell in der Wikipedia nach:

"Jean-François Lefèbvre, chevalier de la Barre (* 12. September 1745 im Schloss von Férolles; † 1. Juli 1766 durch Hinrichtung in Abbeville/Somme) war ein französischer Adeliger, der Opfer eines religiös motivierten Justizmordes wurde. Sein Fall wurde in ganz Europa bekannt, weil sich Voltaire, wenn auch vergeblich, für seinen Freispruch eingesetzt hatte." (wikipedia.de)

Abteilung: Gewalt – extreme Gewalt im Namen des Christentums, ob direkt von der Kirche oder von Seiten des Staates angeordnet, dass bleibe einmal offen.

Sonntag, 20. Mai 2018

"Was ist Wahrheit?" (Pontius P.)

Das Folgende wollte ich eigentlich im Wikipedia-Café zur Diskussion bzw. an den Anfang einer Diskussion stellen. Dann war mir sofort klar, dass das nur zu einem weiteren Hickhack führt, und ich habe es dann doch bleiben lassen. Ich übernehme es besser in ein Buch, das endlich vorankommen sollte.

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Weil ich immer wieder einmal über diese Frage stolpere und weil heute Pfingsten ist: Jetzt möchte ich es einmal wissen! 

(Unmittelbarer Anlass für meine Frage sind die schönen, von einiger lyrischer Qualität getragenen Feststellungen des Kollegen #Janka knapp drüber: „Deutsche brauchen sowas nicht, die wissen auch ohne Nation, wer sie sind und wie die deutschen Traditionen sind. Nämlich in jedem Kaff etwas anders, '''einig ist man sich allenfalls im Sadomaso-Verhältnis zur Wahrheit'''. Und in der Unverzichbarkeit des Dickichts. Hat miteinander zu tun.“)

Damit wir nicht die Wahrheitstheorien neu erfinden müssen liste ich mal ein paar Dinge auf, denen man sich anschließen oder den man widersprechen kann: ...

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"Parks zu Müllhalden"

"Grillen im Park. "Auch Erwachsene lassen sich noch erziehen" -- Pappteller, Bierdosen, Reste – am Wochenende werden Parks zu Müllhalden. Warum Dreck eher auf der Wiese als im Müll landet, erklärt der Verhaltensökonom Matthias Sutter. Interview: Maria Mast 20. Mai 2018 -- 61 Kommentare" || Grillen im Park: Wir stellen unsere Abfälle besonders gerne dorthin, wo bereits etwas rumliegt: 

Rob Greenfield aus New York hat einen Monat lang den Müll im Union Square Park gesammelt und sich damit umhüllt. Wir stellen unsere Abfälle besonders gerne dorthin, wo bereits etwas rumliegt: Rob Greenfield aus New York hat einen Monat lang den Müll im Union Square Park gesammelt und sich damit umhüllt. © Timothy A. Clary/AFP/Getty Images"

Schönes Bild!


[ Vergrößern = Draufklicken ]

Eine Überlegung noch: Negativ-abweichendes Verhalten ist in Mode gekommen, als manche Leute angefangen haben, ihr schlechtes Benehmen als eine Art Mutprobe zu zelebrieren. Der, der im Stau auf dem Standstreifen an den anderen vorbeifährt, der sagt sich: „Heh, schaut mal! Ich trau mich was!"
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""Die Leute schlachten ..."

Notiz. Was sagen die, die vom Sozialismus träumen?

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"Deutsche Rentner verlassen Venezuela | "Die Leute schlachten Katzen und Hunde" | 20.05.2018 - Zwölf Jahre lang lebte das Hamburger Rentnerehepaar Franz und Gisela Holl in Venezuela. Diese Woche kamen sie zurück nach Deutschland - wegen der schweren Wirtschaftskrise. Sie schildern die Not der Menschen dort." (spiegel.de Video)

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Selbst wenn man die Meinung vertritt, dass der Kapitalismus – nur eben nach einer längeren Frist – ebenfalls in die Katastrophe führt: Wie modifiziert man ihn? Wie schafft man ihn ab? Wenn doch die Leute kurzfristig denken und im Grunde genommen wirklich gilt: „Nach uns die Sintflut!“


Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)

Notizbuch. Hochschule und Privatwirtschaft.

HOCHSCHULRANKING : OMA, ICH WEISS JETZT, WAS ICH NACH DEM ABI WILL SEMESTERBEGINN Von Sabine Hockling 8. Mai 2018 | 19 Kommentare | Irgendwas mit … Medien? Technik? Das neue Hochschulranking von ZEIT ONLINE und CHE hilft, Uni und Traumort zu finden. Damit Mama, Papa und Oma endlich zufrieden sind. (zeit.de)

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Darf ich einmal eine Anmerkung zur Geschäftsordnung machen? 

"Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) wurde 1994 von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz als gemeinnützige GmbH gegründet."

Das CHE sollte sich einfach nicht immer so aufspielen! Warum wurde und wird eine privatrechtliche Propagandainstitution ("Wir tun Gutes, und bitte beachten Sie, dass das nur dank Bertelsmann und Random House möglich ist!“) auf diese Weise mit den offiziellen Belangen der Universitäten verkuppelt? (Dem Duden hat man seinerzeit vorgeworfen,er maße sich gleichsam öffentliche Rechte an. Und der Duden hat sich nicht alle naselang in die öffentlichen Belange eingemischt.)

Freitag, 18. Mai 2018

Dieter Hanitzsch


Ich versuche mal, dass in der ZEIT bei den Kommentaren unterzubringen. Mal schauen, ob es klappt. Hier gibt es, wie manchmal, eine Vorabkontrolle.

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Ich verfehle jetzt das Thema hier einmal, zumindest zur Hälfte. Aber ich finde, dass diese Nachricht irgendwo auftauchen sollte in der ZEIT.

"Die "Süddeutsche Zeitung" beendet ihre Zusammenarbeit mit dem Zeichner Dieter Hanitzsch. | Anlass ist eine Karikatur, die als antisemitisch kritisiert wurde. Chefredakteur Wolfgang Krach bestätigte nun der Nachrichtenagentur epd die Trennung von Hanitzsch. Die umstrittene Zeichnung war am Dienstag in der Printausgabe der Zeitung erschienen. Sie zeigt den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu in Gestalt der Siegerin des Eurovision Song Contest, der Israelin Netta. In einer Sprechblase heißt es "Nächstes Jahr in Jerusalem", dazu hält Netanjahu eine Rakete mit Davidstern in der Hand. (deutschlandfunk.de)

Ich habe als SZ-Abonnent die Zeichnung von Hanitzsch gleich gesehen, fand sie, sagen wir: etwas unpassend, aber nun gut – es herrscht Meinungsfreiheit. Hanitzsch habe ich immer für einen unserer besten politischen Karikaturisten gehalten. Was mich am meisten erstaunt: Die SZ tut so, als habe der Karikaturist die Zeichnung heimlich ins Blatt geschmuggelt. Hätte sie nicht selbst vor Drucklegung sagen können: „Lieber Dieter, das geht uns etwas zu weit, das drucken wir heute nicht.“ Ich glaube sogar, dass der Redakteur, der einen Blick auf die Zeichnung geworfen hatte, der Meinung war, das liege schon ganz prima auf SZ-Linie. Als dann das kleine Getöse losging, da hat der Herr Chefredakteur dann eine politisch erstaunlich korrekte Wende hingelegt. Aber noch einmal: Hat die SZ nicht eine Vorab-Verantwortung für das, was sie druckt?"

Donnerstag, 17. Mai 2018

Regierungssprecher & Ramadan

Doch mal, eher zufällig, bei Twitter vorbeigeschaut und gleich das gesehen! Regierungssprecher Seibert wünscht – eine gesegnete Fastenzeit. Wer jetzt glaubt, dass der Regierungssprecher mit dem Kalender durcheinander gekommen ist der irrt: 's is Ramadan!

Hier der Wunsch von Seibert und eine kleine Sammlung der ersten Kommentare.

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@RegSprecher
Ich wünsche allen Muslimen eine gesegnete Fastenzeit! #Ramadan
Betende Hände eines Muslims sind zu sehen, dazu der Text: Allen muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern einen gesegneten und friedvollen Ramadan.
10:59 - 15. Mai 2018

Antwort an @RegSprecher
Kriecher!
Frohe Pfingsten & schönes Wochenende!

Hat er uns frohe und gesegnete Ostern.gewünscht?

Frau Hayali sprach über Ostern von einem „ Traditionsfest“......, bekommt das Bundesverdienstkreuz.. Sollte „ Satire“ sein.

Macht Mutti auch mit beim Ramadan. Müsste sie eigentlich als Muslfan. 🙋🤔
und warum werden dann Moslem verprügelt wen sie die Fastenzeit nicht einhalten , das ist ein Verbrechen am Leben , den das Leben steht über alles , alles andere ist nur Religiöser Schwachsinn . Denn es ist ein Grundrecht zu Leben wie man will nur das Gesetz des Lebens soll Achten

Also im Heiligen Koran heißt es:
“La ikraha fi-d-din“ Es soll kein Zwang sein im Glauben (2:257)
Wenn Muslime jemanden zum Fasten zwingen, so handeln sie entgegen der Lehre des Islam

Ja. Aber bitte nicht vergessen zu sagen, dass Kinder ausgeschlossen werden sollten. Auch Jugendliche sollten mindestens Wasser bekommen tagsüber. Das ist die Empfehlung der Kinder- und Jugendärzte.
Mein Wunsch: Wasser tagsüber für alle. Der Gesundheit zuliebe. Und ohne Druck.

Dir ist schon klar das Kinder unter 12 nicht am Ramadan teilnehmen müssen (wobei sie es natürlich versuchen dürfen, wogegen grundsätzlich nichts spricht) und die Gesundheit auch aus Sicht des Korans über dem durchziehen des Fastens steht?

Kinder unter 12 müssen nicht. So habe ich das vernommen. Indes: sie werden angehalten, solange es ihnen möglich ist, zu fasten. Und: welches Kind möchte den Eltern nicht eine "Freude" machen. Wenn Gesundheit über Koran steht, finde ich das gut. Es gibt aber oft Zusammenbrüche.

Wahrscheinlich fasten Sie weder nach jüdischer noch nach christlicher Tradition, aber den Muslimen wollen etwas vorschreiben. Unverständlich dieser Fundamentalismus der Nicht-Religiösen. Man muss nicht anti-religiös sein , um als ein aufgeklärter Zeitgenosse zu gelten.

Ich bin Katholisch. Und ich faste. Und ich schreibe niemanden irgendetwas vor. Wer lesen kann ist klar im Vorteil.

Schöne Pfingsten

Wann wünschen sie und ihre Kanzlerin uns denn ein gesegnetes Pfingstfest ?? Ostern hatten sie ja schon vergessen, na ja vielleicht im nächsten Jahr !!

Ramadan ist ein Fest einer bösen Ideologie, des Islams. Der Islam ist (wie das Christentum) eine logisch konstruierte Irrlehre, in welcher der Machthaber den gutgläubigen Menschen ködert, führt, formt, tröstet, programmiert .... nutzt und schlussendlich verdummt.

Mögen sich #Schiiten und #Sunniten im #Frieden des #Ramadan versöhnen. Auf das #Friede und #Liebe die ganze Welt erleuchtet.

Am besten Sie machen gleich mit sind ja nicht weit davon.

Und ich wünsche dir Verstand, sodass du den gefährlichen Islam als das erkennst was er ist.

Gibt es hier überhaupt noch offene und tolerante Mitbürger*innen?

Danke! Friedvoll wäre er, wenn #Israel nicht mit einem Massaker begonnen hätte. 61 Zivilisten starben diese Woche. Kam dazu eine Stellungnahme von der Bundesregierung?

Vielen Dank

Antwort an @RegSprecher
#Seibert 🤮🤮🤮🤮

Vielen dank. 🌷🇩🇪🕊🌙

"Sexuelle Übergriffe an Schulen"

Die ZEIT bringt sich einmal wieder ein, mit einem denkwürdigen Thema. Und irgendwie will die Überschrift, die so stark und klar daherkommt, nicht zur Sache passen.

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Sexuelle Übergriffe an Schulen. "Auch eine 18-jährige Schülerin ist eine Schutzbefohlene". || Ein Lehrer schläft mit seiner Schülerin. Eine Kollegin erfährt davon. Doch der Schulleiter will nichts davon hören – die Schulaufsicht auch nicht. Betroffene berichten. Von Karsten Polke-Majewski. 16. Mai 2018. 859 Kommentare

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Eine Diskussion, in der ich ein wenig mitmische. Hier die korrigierte Fassung.

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"Aber sexuelle Verhältnisse zu Abhängigen sind für Lehrer mit Recht tabu." Sagt jemand vorher.

Seien wir doch mal realistisch: Bei solchen Dingen beißt sich das öffentliche (juristische) Bewusstsein mit den intimen Gefühlen und oftmals mit einer Art Suchtverhalten. Vor Jahren hat eine junge Frau, Studentin, mich um Rat gefragt, was sie tun solle. Sie hatte, schon zu Schulzeiten, dann weiter im Studium, ein Verhältnis mit ihrem (verheirateten) Englischlehrer. Da war nicht einmal ansatzweise die Rede davon, dass der Lehrer sie ausbeutet oder unter Druck setzt. Die Initiative war offenbar von ihr, der Schülerin ausgegangen. Sie hatte es so gewollt und wollte nun aber doch wissen, wie sie, gegen ihre Sucht, wieder aus der Sache rauskommt.

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Antwort auf #38 von BDLB | dominick #38.3 | Auch solche Fälle mag es geben. | Am besten wäre allen Betroffenen geholfen, wenn der Lehrer verpflichtet wäre, eine Annäherung von Seiten der Schülerin sofort bei einer zuständigen Stelle zu melden. Die würde dann mit der Schülerin bzw. ihren Eltern reden und die Regeln noch Mal klarstellen. Und spätestens wenn es noch mal passiert, würde ein Psychologe beauftragt, sich mal mit dem Mädel zu unterhalten. | Und der Lehrer müsste zwar auf die sexuelle Beziehung verzichten, könnte aber mit gutem Gewissen und gutem Ruf weiter seinen Job ausüben. Und wenn die Lust ihn überkommt, kann er ja in seiner Freizeit irgendwo eine erwachsene Frau kennenlernen.

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BDLB #38.4 ... Ich glaube, so reden nur Menschen, die weit, weit von der Sache entfernt sind, vor allem altersmäßig weit entfernt. Verwaltungsbeamte vor allem. Da wo die Gefühle im Spiel sind, sieht die Sache vollkommen anders aus. Mal wieder der alte Goethe, in leichter Abwandlung: „Gefühle sind gemalte Fensterscheiben...“* Antwort auf #38.3 von dominick

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* Weil man sich nicht darauf verlassen kann, dass solche Goethe-Anspielungen verstanden werden, hier das gesamte Gedicht:


Gedichte sind gemalte Fensterscheiben

Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
Da ist alles dunkel und düster;
Und so siehts auch der Herr Philister.
Der mag denn wohl verdrießlich sein
Und lebenslang verdrießlich bleiben.

Kommt aber nur einmal herein!
Begrüßt die heilige Kapelle;
Da ists auf einmal farbig helle,
Geschicht und Zierat glänzt in Schnelle,
Bedeutend wirkt ein edler Schein,
Dies wird euch Kindern Gottes taugen,
Erbaut euch und ergetzt die Augen!

Heribert "Karlsson" Prantl?

[ Alles zu Heribert Prantl in diesem Blog. ]

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Das ist aus unserer Reihe „Die vollkommen unqualifizierte Anmerkung“.

Solche Anmerkungen kommen zustande, wenn ich lange im Hinterkopf und im Hintergrund über eine Sache nachgrüble und genauso lange zu keinem Ergebnis komme. Und dann auf einmal ...

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Hier also – ich habe lange nachgedacht, an wen mich Heribert Prantl, der große Journalist der Süddeutschen Zeitung, eigentlich erinnert. Und heute auf einmal wusste ich es! Kann es sein, dass Prantl in seiner Kindheit den Karlsson vom Dach gespielt hat? Und erst später ist er dann – er, also Prantl – von einem kindlichen Anarchisten zu einem abwägenden Rechtsgelehrten und dann meinungsstarken, nicht mehr so sehr abwägenden Journalisten geworden?





Dienstag, 15. Mai 2018

Buch: die Migrationsproblematik/Europa

Wieder mal ein ZEIT-Kommentar.

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Wenn jemand gegenwärtig ein Buch schreibt, das die Migrationsproblematik/Europa so sachlich dargestellt, dass weder die ZEIT einen Rechtsruck oder rechte Ansichten wittert, noch der Antaios-Verlag sich zu einem sofortigen Gegen-Buch genötigt sieht, dann bitte ich um Information! Es ginge da also um so etwas wie ein Fakten-Buch, das unbestrittene Tatsachen auflistet, und den Lesern die Interpretation überlässt.

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht – aber dieses ewige Gezerre, bei dem man sofort weiß, dass jeder nur seine kleine Ansicht wiederfinden möchte, das geht mir zunehmend auf den Senkel! Um einmal emotional zu werden.

Buchpreisbindung

Auf der Suche nach Leo Perutz, ein Befund en passant:

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Leo Perutz 1882-1957: Eine Ausstellung der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main.  24. Oktober 1989. Von Klaus Lehmann und Brita Eckert. Broschiert. EUR 17,72

Leo Perutz. 1882-1957. Eine Ausstellung der Deutschen Bibliothek Frankfurt am Main.1989. Von Frankfurt am Main (Herausgeber) Deutsche Bibliothek. Broschiert. EUR 10,00

Leo Perutz,1882 - 1957; eine Ausstellung der Deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main, Ausstellung und Katalog: Hans-Harald Müller und Brita Eckert. Katalog 1989. Taschenbuch. EUR 112,00

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Bei solchen Preis-Funden immer wieder die Frage: "Warten auf einen Dummen oder einen sehr Unkonzentrierten" oder "Versehentlich"?

Montag, 14. Mai 2018

Angele: Schirrmacher. Ein Porträt.

Ich schaue beim Lesen von Zeitungsartikeln meist erst am Schluss nach, wer der Verfasser des Artikels war. Und das auch nicht immer. Hier also am Ende: Adrian Kreye hat diese Rezension geschrieben. Erschienen heute in der SZ auf Seite 12. Und diese Besprechung reizt zu einer kleinen Rezension der Rezension. 

Biografie. Feuer und Tratsch. | Ein boshaftes Buch: Michael Angele porträtiert den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher und vergisst über dem Anekdotischen das publizistische Projekt des Journalisten.

Ich stocke zum ersten Mal schon ziemlich am Anfang:

"Fast sämtliche Figuren sind nur Beweismittel für die These, dass es sich bei Frank Schirrmacher um einen Machtmenschen mit zweifelhaften Methoden und Motiven gehandelt habe."

Meine erste Frage ist: Könnte denn aber vielleicht an der These was dran sein? Das ist doch die Frage!

Ich kenne Schirrmacher nur von ein paar Auszugslektüren. Ach ja -- und von dem Tag, an dem ich seinen Namen zum ersten Mal in der Zeitung gelesen habe. Aus dem Gedächtnis: Reich-Ranicki hatte Schirrmacher Talent und eine große Zukunft bescheinigt. 

Ohne gute Gründe habe ich Schirrmacher nach seinem Tod in jene Gruppe von BRD-Kulturberühmtheiten gesteckt, die ihren frühen Tod nicht richtig verkraftet haben. So to say. Wenn sie noch Gelegenheit hatten, dann haben sie auch wortreich klargestellt, wie ungerecht es doch sei, dass ausgerechnet sie, die Hochbegabten und noch dazu Erfolgreichen, jetzt, wo es gerade angefangen habe, schön zu sein in dieser Welt, diese Welt auch schon wieder verlassen müssten. Wolfgang Herrndorf und Christoph Schlingensief fallen mir da immer spontan ein. Schirrmacher ist 2014 an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Da blieb, wie auch bei Peter Koslowski zwei Jahre vorher, keine Zeit mehr für derlei larmoyante Einlassungen.

Noch einmal zurück zu Reich-Ranickis Voraussage. Damals war Schirrmacher quasi aus dem Nichts aufgetaucht. Für mich jedenfalls, der ich in solchen Dingen vielleicht einfach nicht gut genug informiert war. Ein Jüngelchen mit dickem Gesicht. (Der Vergleich, den Kreye aus der Biographie von Angele überliefert, Karlsson vom Dach, will mir rückblickend eigentlich ganz passend für diesen Eindruck erscheinen.) 

Gestern habe ich in einem vollkommen anderen Zusammenhang am Kaffeetisch gesagt, dass ich im Lauf der Zeit zu der Überzeugung gekommen sei, die verschiedenen Menschengruppen erkännten die, die zu ihnen gehörten, quasi am Geruch. Vielleicht etwas eleganter: an der speziellen Ausstrahlung dieser Menschen. Die Verkäufer die Verkäufer, die Journalisten die Journalisten. Die Wissenschaftler die Wissenschaftler. Ein gewisses Können im jeweiligen Metier sei natürlich Voraussetzung. Aber eben nur Voraussetzung. Reich-Ranicki hat bei Schirrmacher offenbar erkannt: Das ist einer von uns! 

Und jetzt Kreye: Es will mir scheinen, dass er Schirrmacher als "einen von uns" verteidigt, gegen einen, der nur halb zu der eigenen Truppe gehört: Angele, "Journalist und Literaturwissenschaftler", wie er eingeführt wird.

Jedenfalls:

Michael Angele: Schirrmacher: Ein Porträt. Aufbau-Verlag, Berlin 2018. 222 Seiten, 20 Euro. Das Buch erscheint am 18. Mai.

Ich werde es lesen. Es kommt sehr selten vor, dass ich ein Buch wegen und gegen eine Rezension lese. Jetzt ist es mal wieder soweit. Ob gekauft oder aus der Stadtbibliothek entliehen, muss sich noch entscheiden. Nach der Lektüre von ein paar anderen Besprechungen.

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In der Wikipedia nachgelesen. Das alles wusste ich nicht. Da sieht man's mal wieder. Schlecht informiert. Aber dennoch: sehr neugierig!

Promotion | Die Promotion wurde Gegenstand einer kritisch geführten öffentlichen Diskussion. Schirrmacher hat an der Universität-Gesamthochschule Siegen eine Dissertation eingereicht, deren Text sehr weitgehend mit dem einer im Februar 1987 von ihm publizierten Arbeit (Verteidigung der Schrift. Kafkas „Prozess“ (edition suhrkamp, ...) übereinstimmt. Ein Vergleich der beiden öffentlich verfügbaren Texte ergab, dass sich die insgesamt 180 Seiten umfassende Promotionsschrift von dem Suhrkamp-Aufsatz nur durch eine 10 Seiten starke Einleitung und einen ebenfalls neu formulierten sogenannten zweiten Teil, der noch einmal 22 Seiten ausmacht, unterscheidet. Der Text des bei Suhrkamp publizierten Buches wiederum war nach Auskunft der beiden an der Magisterprüfung beteiligten Gutachter der Germanistischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg weitgehend identisch mit dem von Schirrmachers Magisterarbeit aus dem Jahr 1984, die als verschwunden und nicht verfügbar gilt. [Schlampiges Dekanat!] | Die Universität-Gesamthochschule Siegen war über die Publikation des vorgelegten Textes bei Suhrkamp informiert und die Promotionsordnung dieser Universität ließ die Annahme bereits veröffentlichter Arbeiten in Ausnahmefällen zu. Kritiker führten an, dass die Doppelverwertung ein und derselben wissenschaftlichen Arbeit dem Ziel der guten wissenschaftlichen Praxis entgegenstehe, eine originäre Arbeit abzuverlangen, die wissenschaftlich Neues bietet. Siegfried Unseld kommentierte die Kritik, es sei damit „aus einem höchstmöglichen Nichts an Inhaltlichem die höchstmögliche Wirkung von Häme“ ermittelt worden.

Meine innere Stimme

Meine innere Stimme, die immer ganz zuverlässig richtige Ratschläge parat hat, sagt mir, dass ich mit dem Kommentieren bei der ZEIT aufhören sollte. Ich frage sie, also -- ich frage meine innere Stimme natürlich nach den Gründen für diese Aufforderung. Jeder rede da monomanisch nur mit sich selbst, sagt die Stimme. Außerdem könnten die allermeisten der Kommentatoren komplexe Überlegungen nicht verstehen, weshalb meine Versuche, sie zum Verstehen zu bewegen, vollkommen sinnlos seien. Man könne ein vierjähriges -- na gut, manchmal auch zehnjähriges Kind ja auch nicht gegen normale 18jährige im Hundertmeterlauf antreten lassen. Ob das denn nicht arg hochnäsig gedacht sei, frage ich. Meine innere Stimme verdreht da nur die Augen.

So geht es eine Weile weiter. Am Ende frage ich, ob ich denn auch monomanisch nur mit mir selbst spräche. Meine innere Stimme lächelt und sagt, ich hätte ja viele schlechte Eigenschaften; aber die mit den monomanischen Selbstgesprächen, die gehöre nicht dazu.


"Ich sehe den ESC immer gerne und von Anfang bis zum Ende. So auch gestern, mit meiner Tochter. Eigentlich nicht wegen der Lieder (?), sondern wegen der gedanklichen Anregung. Überlegungen, als da sind ...

A) Symbol / Metapher: ESC auf der Computertastatur oben links -- steht für was? Eben!

B) Gesellschaftspolitisch: Ein einheiltiches Wertesystem der Gesellschaft -- und also auch Geschmackskriterien -- gibt es nicht mehr. Von blödelnden Punknummern (-parodien?) bis hin zu reinem Ulk und dann auch politisch Engagiert-Melodiösem, alles vorhanden. Alle Mischungen auch. Wie entscheidet man da?

C) Gesellschaftskritisch, grundsätzlich: Ein wahnsinniger Aufwand für ein bisschen Tralala. Wie vielen Kindern in sehr armen Ländern hätte man für das Geld, das der gestrige Aben gekostet hat, wohl eine Schule bauen können, mitsamt Lohn für zwei Lehrer für fünf Jahre? (Aber ich weiß, so darf man nicht rechnen. Das hieße ja, den Wasserverbrauch in Deutschland gegen die Trockenheit in Ägypten und anderswo aufrechnen. Ergibt keinen Sinn. -- Wirklich nicht?)"

Sonntag, 13. Mai 2018

Dieses kleine Haus ...

Gefällt mir, dieses kleine Haus. Wohnt da jemand drin? Und was kostet es?

Erstaunlich Kleine Fertighäuser Kaufen Innenarchitektur Fertighaus in Kleine Fertighäuser Kaufen

Finde ich alles hier nicht.

Samstag, 12. Mai 2018

Sprechakt: BESCHREIBEN

Linguistisches Beispiel, Semantik:

Als der Einbrecher die Bewohnerin entdeckte, flüchtete er. Er soll zwischen 25 und 30 Jahren alt sein. Er war circa 1,70 Meter groß, braun gebrannt und schlank. Er hatte eine Glatze, sprach deutsch und trug einen blau-grauen Arbeitsanzug. Wenn du etwas mitbekommen hast, melde dich bitte bei der Polizei: 0251 2750. (bild.de)

Was heißt es, dass jemand "deutsch spricht"? Akzentfrei Münsterländisch? Mit einem Berliner Akzent? Oder "gebrochenes Deutsch"? War er durch die Sonnenbank, das viele Herumliegen am Aasee oder genetisch bedingt "braun gebrannt"? 30 Jahre? Wieviel ungefähr steckt in dieser Angabe?

Geladene Knarre in der Vagina

Sowas kann nur BILD! Diese Formulierung! Überhaupt diese Meldung auszugraben!

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WAFFE HATTE EIN VOLLES MAGAZIN! Frau versteckte geladene Knarre in ihrer Vagina USA: Frau versteckt Waffe in Vagina Anika Witt transportierte eine Waffe in ihrer Vagina. Nach Herstellerangaben ist das Modell länger als 14 Zentimeter, wiegt mit leerem Magazin knapp 380 Gramm 28.04.2018 || Eine Frau aus dem US-Staat Missouri hat sich für ihre Pistole ein fragwürdiges Versteck ausgesucht: Sie ließ ihre illegale Waffe in ihrer Vagina verschwinden! Ja, Sie haben richtig gelesen! Dumm nur, dass der Knarren-Schmuggel aufflog: Schon im vergangenen September waren Anika Witt (27) und ihr Begleiter Clinton McDonald (29) in Bloomington (US-Staat Illinois) in eine Verkehrskontrolle geraten – und zunächst wegen illegalen Drogenbesitzes (Heroin, Ecstasy) eingelocht worden. Die eigentliche Ekel-Entdeckung machten die Beamten aber erst nach der Festnahme im Gefängnis: Im McLean County Jail unterzogen sie die Frau einer eingehenden Leibesvisitation – wahrscheinlich in Erwartung weiterer Drogenpäckchen. Doch zum Vorschein kam die geladene (!) Handfeuerwaffe (Kimber mit 380er Kaliber, länger als 14 Zentimeter). Nach Angaben der Polizei enthielt die Waffe ein volles Magazin! Vor Gericht musste sich Witt nun wegen illegalen Waffenbesitzes und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten – und bekannte sich schuldig. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Knast für den Waffenbesitz und 15 Jahre Gewahrsam für Heroinbesitz. Ihr wurde allerdings Strafmilderung in Aussicht gestellt – wenn sie im Prozess gegen ihren Begleiter aussagt. Vier weitere Anklagen gegen Witt (u.a. wegen Widerstands gegen Beamten) sollen dann fallengelassen werden.

Freitag, 11. Mai 2018

Wenn man in Sodom lebt ...

... ist das Lästern über die Zustände in Gomorra nur noch ein schaler Witz.

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Sex im Präsiden­tenbüro Macht Unterricht mit Pornos, Affären mit Studenten, mutmaßlich Vergewaltigungen. Das Gebaren zweier Professoren der Münchner Musikhochschule sprengte viele Grenzen. Mu­sik­hoch­schu­le in Mün­chen: »So­dom und Go­mor­rha« Der 23-jäh­ri­ge Kom­po­si­ti­ons­stu­dent der Hoch­schu­le für Mu­sik und Thea­ter Mün­chen fand es nicht un­ge­wöhn­lich, dass der Un­ter­richt im Schlaf­zim­mer sei­nes Pro­fes­sors statt­fand. Er wun­der­te sich auch nicht, dass zu Be­ginn der Ein­zel­stun­de ein Por­no lief. Nichts Neu­es, er kann­te das schon. || Er er­in­ner­te sich an die Wor­te des Pro­fes­sors, man kön­ne im Ver­hal­ten der Dar­stel­ler viel über die Oper ler­nen. Un­ge­wöhn­lich war dies­mal, dass die Freun­din des Pro­fes­sors auf­tauch­te, ihr Kleid ab­streif­te, dem Stu­den­ten die Hose auf­knöpf­te und ihn oral sti­mu­lier­te. Wäh­rend­des­sen saß der Pro­fes­sor am Schreib­tisch und kom­po­nier­te eine Oper. Mit Tex­ten von Franz Kaf­ka. Er habe sich un­wohl ge­fühlt, wird der Stu­dent 14 Jah­re spä­ter der Po­li­zei sa­gen. Die Por­no­fil­me habe er als wi­der­lich emp­fun­den, aber er habe sich nicht ge­wehrt, aus Angst, der Pro­fes­sor wer­de sei­ne Zu­kunft zer­stö­ren. Er wird von ei­nem Ner­ven­zu­sam­men­bruch be­rich­ten, von Alb­träu­men, Schuld­ge­füh­len und ei­nem Se­xu­al­le­ben, das ab die­sem Vor­fall von Ag­gres­si­vi­tät ge­prägt ge­we­sen sei. Der Stu­dent hat­te Spaß, wird die da­ma­li­ge Freun­din und heu­ti­ge Frau des Pro­fes­sors sa­gen, er sei der For­dern­de ge­we­sen. Er sei bei ih­nen ein- und aus­ge­gan­gen und habe ge­wusst, welch frei­zü­gi­ges Le­ben sie führ­ten. Er habe je­der­zeit ge­hen kön­nen, er sei ein er­wach­se­ner Mann ge­we­sen. Der Pro­fes­sor, Hans-Jür­gen von Bose, wird sa­gen, sich kei­ner Schuld be­wusst zu sein. Als Char­lot­te Wei­den­fels(*) an ei­nem Tag im Sep­tem­ber 2004 von Bam­berg nach Mün­chen fuhr, woll­te sie ei­nen Job. Die al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter zwei­er Kin­der hat­te sich als As­sis­ten­tin ei­ner Re­fe­ren­tin an der Hoch­schu­le be­wor­ben. Die­se bat sie nach dem Vor­stel­lungs­ge­spräch, um 17 Uhr noch­mals zu er­schei­nen, um mit dem Prä­si­den­ten Sieg­fried Mau­ser zu spre­chen. Als sie dann durch die Hoch­schu­le lief, fand sie die Gän­ge still und ver­las­sen vor, das Se­mes­ter hat­te noch nicht be­gon­nen. Die Dop­pel­tür zum Prä­si­den­ten­zim­mer blieb ihr in Er­in­ne­rung, weil sie ge­pols­tert war, so­dass Ge­räu­sche nicht nach au­ßen dran­gen. Die Be­grü­ßung war freund­lich, ein Jahr zu­vor hat­te sie am Ran­de ei­nes Kon­zerts ein paar Wor­te mit Mau­ser ge­wech­selt. Dann küss­te der Prä­si­dent die Frau un­ver­mit­telt auf den Mund. Für ihn sei es ech­te Zu­nei­gung ge­we­sen, wird er spä­ter sa­gen, als er dem Ge­richt zu er­klä­ren ver­sucht, war­um er nicht von ihr ab­ließ, ob­wohl die Frau nach ih­ren Aus­sa­gen den Kuss nicht er­wi­der­te. Als Mau­ser anal in sie ein­drang, will er Lust­schreie ge­hört ha­ben. Die Frau sagt, es sei­en Äuße­run­gen von Schmerz und Angst ge­we­sen. Schließ­lich mach­te sich der Hoch­schul­pro­fes­sor die Hose zu: »Jetzt ist das Sofa ein­ge­weiht.« Der Sex sei ein­ver­nehm­lich ge­we­sen, wird er spä­ter sa­gen. Die Frau wol­le sich an ihm rä­chen, er sei sich kei­ner Schuld be­wusst. Über Schuld und Stra­fe der bei­den Pro­fes­so­ren ent­schei­den die Ge­rich­te. Sieg­fried Mau­ser ist vor dem Land­ge­richt Mün­chen an­ge­klagt, es ist sein zwei­ter Pro­zess. Er wur­de be­reits we­gen se­xu­el­ler Nö­ti­gung zu ei­ner neun­mo­na­ti­gen Be­wäh­rungs­stra­fe ver­ur­teilt. Das Ur­teil ist nicht rechts­kräf­tig. Nun geht es um den Ver­dacht der Ver­ge­wal­ti­gung der Be­wer­be­rin und der se­xu­el­len Nö­ti­gung ei­ner Sän­ge­rin. Sieht das Ge­richt die Ta­ten als er­wie­sen an, muss der lang­jäh­ri­ge Prä­si­dent ver­mut­lich ins Ge­fäng­nis. Zu­dem hat er dienst­recht­li­che Ver­fah­ren zu be­fürch­ten. Hans-Jür­gen von Bose wur­de im Juli 2016 von der Staats­an­walt­schaft Mün­chen I an­ge­klagt. Am stärks­ten wiegt der Vor­wurf, dass er zwi­schen 2006 und 2007 die Schwes­ter ei­nes sei­ner Stu­den­ten mehr­fach ver­ge­wal­tigt ha­ben soll, was er ve­he­ment be­strei­tet. Nach fast zwei Jah­ren hat das Land­ge­richt Mün­chen noch im­mer nicht ent­schie­den, ob es das Ver­fah­ren ge­gen ihn er­öff­nen wird. Die ju­ris­ti­sche Be­wer­tung ein­zel­ner Ta­ten, so sie denn statt­ge­fun­den ha­ben, ist das eine. Das an­de­re ist das Um­feld, in dem die­se Vor­wür­fe er­ho­ben wer­den und das se­xu­el­le Überg­rif­fe er­heb­lich er­leich­tert. In ei­ner Mu­sik­hoch­schu­le ist die Ab­hän­gig­keit der Stu­den­ten von ih­ren Leh­rern be­son­ders groß. Der Pro­fes­sor ent­schei­det maß­geb­lich mit, ob es mit der künst­le­ri­schen Kar­rie­re et­was wird oder nicht. Man be­sucht ge­mein­sam Kon­zer­te, un­ter­nimmt Rei­sen. Im Un­ter­richt kom­men Stu­dent und Pro­fes­sor ein­an­der oft sehr nahe, beim ge­mein­sa­men Üben am In­stru­ment, beim Trai­nie­ren der rich­ti­gen Kör­per­hal­tung und At­mung. Sich da­bei an­zu­fas­sen ist nor­mal. Der Schritt, die Nähe und die Ab­hän­gig­keit zu miss­brau­chen, ist nicht groß. Noch dazu, da der Un­ter­richt oft in klei­nem Kreis statt­fin­det: nur Leh­rer und Schü­ler, meist bei ge­schlos­se­ner Tür. Eine At­mo­sphä­re, die in Mün­chen zu ei­nem Zu­stand führ­te, den ein Ver­tei­di­ger im ers­ten Mau­ser-Pro­zess als »So­dom und Go­mor­rha« be­schrieb. Der Professor habe den Studenten aufgefordert, »das wilde Tier« in sich herauszulassen. Eine in­ter­ne Er­he­bung, die dem SPIEGEL vor­liegt, er­fasst die Aus­sa­gen von rund 800 Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen. 115 ha­ben wäh­rend ih­rer Zeit an der Münch­ner Mu­sik­hoch­schu­le »an­züg­li­che Be­mer­kun­gen« ge­hört, 56 »an­züg­li­che Ges­ten« wahr­ge­nom­men, 34 mel­de­ten, »an­ge­grapscht oder ab­sicht­lich be­rührt« wor­den zu sein. 9 Be­frag­te be­rich­te­ten, ih­nen sei­en Ge­ni­ta­li­en ge­zeigt wor­den. 8 sag­ten aus, zu se­xu­el­len Hand­lun­gen ge­zwun­gen wor­den zu sein. 7 wur­den dem­nach von ih­rem Ge­gen­über Nach­tei­le an­ge­droht, weil sie ei­nen An­nä­he­rungs­ver­such ab­ge­lehnt hat­ten. Auch eine Ver­ge­wal­ti­gung wur­de ge­mel­det. Die Hoch­schu­le hat die Er­geb­nis­se der Um­fra­ge bis­lang nicht ver­öf­fent­licht. Ein Ge­spräch mit dem SPIEGEL zu den Vor­fäl­len lehn­te das Prä­si­di­um ab. Auch schrift­li­che Fra­gen – etwa, wie die #Me­Too­De­bat­te in­ner­halb der Hoch­schul­lei­tung ge­führt wer­de – be­ant­wor­te­te sie nicht. Ei­ni­ge der Fra­gen hät­ten un­wah­re Be­haup­tun­gen ent­hal­ten, hieß es zur Be­grün­dung. Doch nicht alle Hoch­schul­an­ge­hö­ri­gen sind so ver­schlos­sen. »Es kann nicht sein, dass un­se­re Stu­den­tin­nen und Stu­den­ten mit ih­rem Pro­fes­sor schla­fen müs­sen, um Er­folg in ih­rem Be­ruf zu ha­ben«, sagt der Pia­nist Mo­ritz Eg­gert, 52. Er lehrt Kom­po­si­ti­on an der Hoch­schu­le und be­gann vor Jah­ren, die Vor­wür­fe ge­gen sei­ne Kol­le­gen zu the­ma­ti­sie­ren. Als Zeu­ge vor Ge­richt sag­te er ge­gen sei­nen ehe­ma­li­gen Vor­ge­setz­ten aus und mach­te sich da­mit vie­le Fein­de. Ei­ner die­ser Fein­de sitzt in ei­nem Rei­hen­haus in Zorne­ding, gut 20 Ki­lo­me­ter von der Münch­ner Stadt­mit­te ent­fernt, zieht an ei­ner fil­ter­lo­sen Zi­ga­ret­te und re­det of­fen über all die Vor­wür­fe ge­gen ihn. Hans-Jür­gen von Bose war ein Shoo­ting­star in der Kom­po­nis­ten­sze­ne. Sei­ne Oper »Schlacht­hof 5«, 1996 am Münch­ner Na­tio­nal­thea­ter ur­auf­ge­führt, po­la­ri­sier­te, die mu­si­ka­li­sche In­sze­nie­rung wur­de ge­fei­ert. »Das könn­te sie sein: die Oper der Zu­kunft«, schrieb der Re­zen­sent des SPIEGEL. Dann, sagt Bose, hät­ten die Kri­ti­ker da­mit be­gon­nen, ihn zu ver­nich­ten. Er sei mit sei­ner kon­ser­va­ti­ven Hal­tung an­ge­eckt. Er sei ge­mobbt wor­den und er­krankt. Der da­ma­li­ge Prä­si­dent, Sieg­fried Mau­ser, er­laub­te dem Do­zen­ten aus­nahms­wei­se, ein­zel­ne Stu­den­ten zu Hau­se zu un­ter­rich­ten. Im­mer wie­der muss­te Bose den Un­ter­richt ab­sa­gen und war für man­che Stu­den­ten lan­ge nicht er­reich­bar. Bei der Hoch­schul­lei­tung gin­gen Be­schwer­den ein. Im De­zem­ber 2007 wur­de der Kom­po­nist als dienst­un­fä­hig in den Ru­he­stand ver­setzt, vier Jah­re spä­ter be­an­trag­te er die Wie­der­ein­stel­lung. Sie wur­de ihm zum Ok­to­ber 2012 ge­neh­migt, nach­dem er ein amts­ärzt­li­ches At­test be­kom­men hat­te. Da die Po­li­zei nun ge­gen ihn er­mit­telt, ist er vom Dienst vor­läu­fig frei­ge­stellt. Er be­zieht Ge­halt, freie Auf­trä­ge be­kom­me er aber nicht mehr. Er be­klagt eine »mas­si­ve Zer­stö­rung« sei­nes Na­mens. Als er 2008 ein Kla­vier­kon­zert sei­nes Freun­des Sieg­fried Mau­ser be­such­te, hat­te je­mand eine To­des­an­zei­ge mit sei­nem Na­men im Pro­gramm­heft plat­ziert. Bose macht Men­schen wie Mo­ritz Eg­gert für sei­ne Kri­se ver­ant­wort­lich. Sie hät­ten es auf sei­ne Stel­le ab­ge­se­hen. Sie wür­den sei­ne Art des Um­gangs mit an­de­ren nicht ak­zep­tie­ren, sei­nen kleist­schen Le­bens­stil, wie er ihn nennt. In die­sem Le­bens­stil ver­mi­schen sich Leh­re und Pri­va­tes, Gren­zen gibt es in die­sem Kon­zept kei­ne mehr, auch kei­ne Dis­tanz. Für ihn sei Kom­po­nie­ren eine pri­va­te und in­ti­me An­ge­le­gen­heit, des­halb habe er auch mit sei­nen Stu­den­ten über Pri­va­tes und In­ti­mes ge­spro­chen. Wer ihm zu »starr und vier­eckig« vor­kam, dem brach­te er die Kul­tur­ge­schich­te des Por­nos nahe, weil er dar­in Par­al­le­len zur Mu­sik­ge­schich­te sah. Er war als Leh­rer mit die­ser ta­bu­lo­sen Of­fen­heit und sei­ner Streit­lust auch be­liebt. 21 Stu­den­ten pro­tes­tier­ten im März 2015 mit ei­ner Pe­ti­ti­on da­ge­gen, dass er nicht wie­der die Ge­neh­mi­gung er­hielt, zu Hau­se zu un­ter­rich­ten. An­ge­klag­ter Mau­ser Kei­ner Schuld be­wusst Bose sagt, er sei stän­dig auf der Su­che nach ei­nem Kick, beim Au­to­fah­ren und auch im Bett. Er be­rich­tet von ei­nem se­xu­el­len Er­leb­nis mit ei­nem 20-Jäh­ri­gen, den er aus ei­ner Mu­sik­aka­de­mie kann­te. Der jun­ge Mu­si­ker wur­de sein Stu­dent. Es müs­se 1988 oder 1989 ge­we­sen sein, als der jun­ge Mann nach ei­nem Kon­zert in Mün­chen bei ihm über­nach­tet habe. Es kam zu ei­ner ana­len Pe­ne­tra­ti­on, wie es in den Be­rich­ten der Po­li­zei spä­ter heißt. Bose sagt, er habe das »psy­chisch wie phy­sisch ex­trem vor­sich­tig voll­zo­gen«. Er habe das Ge­fühl ge­habt, für den Stu­den­ten sei es wich­tig ge­we­sen, die­se Er­fah­rung zu ma­chen. Es blieb bei ei­nem Mal. Der da­ma­li­ge Stu­dent sagt, auch wenn kei­ne Ge­walt im Spiel ge­we­sen sei, sehe er den Akt heu­te als eine Art Miss­brauch an. »Herr von Bose hat mei­ne da­ma­li­ge Si­tua­ti­on wohl für sei­ne Zwe­cke aus­ge­nutzt.« Bis heu­te fühlt Bose sich un­schul­dig. Der Staat aber schick­te ein Son­der­ein­satz­kom­man­do zu ihm. Es ging um die mut­maß­li­chen Ver­ge­wal­ti­gun­gen der Schwes­ter sei­nes Stu­den­ten. 28. April 2015, 6.40 Uhr mor­gens: Im Flut­licht bra­chen schwer be­waff­ne­te Män­ner die Tür zum Gar­ten auf. Eine da­mals 23-jäh­ri­ge Stu­den­tin wohn­te im Haus des Pro­fes­sors, in ei­nem Zim­mer im Kel­ler. Die Po­li­zis­ten hät­ten sie hart ge­gen ein Kla­vier, dann auf den Bo­den ge­drückt, er­zählt Ir­va­na Po­powa(*). Ta­ge­lang habe sie die Hä­ma­to­me ge­spürt. Der zweit­jüngs­te Sohn des Pro­fes­sors sagt, er habe ein Trau­ma er­lit­ten und sei nach dem Ein­satz ein Jahr lang nicht zur Schu­le ge­gan­gen. Als die Po­li­zis­ten das Haus durch­such­ten, fan­den sie il­le­ga­le Sub­stan­zen. »Müll­tü­ten­wei­se« hät­ten sie Me­di­ka­men­te und Dro­gen aus dem Haus ge­tra­gen, wird der er­mit­teln­de Staats­an­walt spä­ter sa­gen. Dar­un­ter wa­ren 5,1 Gramm ei­nes Ko­ka­in­ge­mischs. Hans-Jür­gen von Bose sagt, die Rausch­mit­tel hät­ten ihm beim Kom­po­nie­ren ge­hol­fen. Und, of­fen wie er sei, habe er sei­nen Stu­den­ten von die­sen Dro­gen­er­fah­run­gen er­zählt. Er ver­weist auf gro­ße Schrift­stel­ler, Gott­fried Benn, Al­dous Hux­ley, die nur un­ter Dro­gen Ge­nia­les voll­bracht hät­ten. Auch Me­di­ka­men­te habe er in gro­ßen Men­gen kon­su­miert, um die Schmer­zen nach ei­nem vier­fa­chen Band­schei­ben­vor­fall zu lin­dern. 400 Trop­fen des Schmerz­mit­tels Va­lo­ron habe er am Tag ge­schluckt, emp­foh­len sind höchs­tens 240. Als sich die jun­ge Rus­sin Ir­va­na Po­powa an der Mu­sik­hoch­schu­le vor­ge­stellt hat­te, hat­te sie auf die Pro­fes­so­ren keck, aber auch zer­brech­lich ge­wirkt. Das könn­te er­klä­ren, war­um sie nicht der Klas­se von Hans-Jür­gen von Bose zu­ge­teilt wur­de. Die Frau­en­be­auf­trag­te kann­te Ge­rüch­te, dass man auf­pas­sen sol­le. Wenn das der Ver­such war, die jun­ge Frau und den Pro­fes­sor von­ein­an­der fern­zu­hal­ten, muss er als ge­schei­tert be­zeich­net wer­den. Im Hoch­schul­wohn­heim ver­such­te sie, An­schluss zu fin­den, der Kum­mer über den Tod ih­rer Schwes­ter nag­te schwer. Das Geld fehl­te, um zum Be­gräb­nis zu rei­sen. Die Zeit dräng­te, um ei­nen Kom­po­si­ti­ons­auf­trag ab­zu­schlie­ßen. Sie ver­trau­te sich Pro­fes­sor Bose an. Er war fas­zi­niert von ihr und lud sie nach Hau­se ein. Der Pro­zess von der ers­ten Über­nach­tung, weil die letz­te S-Bahn weg war, bis zu ers­ten flüch­ti­gen Be­rüh­run­gen war flie­ßend. Im De­zem­ber 2013 wur­den der Pro­fes­sor und sei­ne Stu­den­tin ein Paar, Jah­re spä­ter so­gar El­tern ei­nes Sohns. Die zwei leb­ten ge­mein­sam mit Bo­ses Ehe­frau und den Kin­dern zu­sam­men. Ir­ri­tie­rend ist ein Stun­den­plan, den die Po­li­zei bei der Haus­durch­su­chung fand: Die Stu­den­tin hat­te no­tiert, wie oft und wann sie etwa mit ih­rem Pro­fes­sor in der Wo­che Sex ha­ben soll­te und wann an­de­re Se­xu­al­part­ner da­zu­kom­men wür­den. Da­ne­ben wa­ren die Stun­den für die Haus­ar­beit no­tiert und die für das Kom­po­nie­ren. Pro­fes­sor Bose »Von mei­nen Kri­ti­kern ver­nich­tet« Do­zen­ten der Hoch­schu­le mach­ten sich Sor­gen, dass der Pro­fes­sor sei­ne Stu­den­tin ge­fü­gig ge­macht ha­ben könn­te. Ihre Kom­mi­li­to­nen wol­len be­merkt ha­ben, wie Po­powa dün­ner und blass wur­de. Die Uni­ver­si­tät be­such­te sie im­mer sel­te­ner. Im In­ter­net fan­den sich An­zei­gen: Sex für 200 Euro die Stun­de. Das Geld spar­te sie und un­ter­stütz­te da­mit ihre Fa­mi­lie. Ir­va­na Po­powa re­det un­gern dar­über. Sie sagt, dass sie nicht mehr kom­po­nie­re, und be­grün­det es mit der an­ge­spann­ten Si­tua­ti­on nach dem Po­li­zei­ein­satz und dem Klei­nen, der ihre Auf­merk­sam­keit for­de­re. Im ver­gan­ge­nen No­vem­ber al­ler­dings hielt sie es nicht mehr aus. Sie buch­te für den fol­gen­den Tag ein Ti­cket ohne Rück­flug nach Sankt Pe­ters­burg zu ih­ren El­tern, den Klei­nen nahm sie mit. Erst sechs Wo­chen spä­ter kehr­te Po­powa zu­rück. Sie sagt, sie kön­ne es sich nicht er­klä­ren, war­um sie ab­ge­hau­en sei. »Ein Kurz­schluss.« Das al­les ist nicht an­ge­klagt, das al­les ist er­laubt. Aber es ist be­deut­sam, um das Um­feld zu ver­ste­hen, in dem eine an­de­re Frau schwer­wie­gen­de Vor­wür­fe ge­gen den Hoch­schul­pro­fes­sor er­hebt, eine 34-jäh­ri­ge Aka­de­mi­ke­rin. Sie sagt laut An­kla­ge­schrift, Hans-Jür­gen von Bose habe sie wäh­rend ih­rer mehr­mo­na­ti­gen Be­zie­hung drei­mal ver­ge­wal­tigt. Er habe sei­ne Po­si­ti­on als Pro­fes­sor aus­ge­nutzt, um sie un­ter Druck zu set­zen. Ley­la Ab­as­si(*) lern­te den Pro­fes­sor über ih­ren Bru­der ken­nen, der bei ihm stu­dier­te. Sie war 22 Jah­re alt, er 53. Sie war be­ein­druckt von sei­ner »Un­bor­niert­heit und Le­ben­dig­keit«, er von ih­rer »ori­en­ta­li­schen Schön­heit«. Mit sei­nen Mo­no­lo­gen zog er sie in sei­nen Bann. Ging es an­fangs noch um The­men der Kunst und Mu­sik, sprach der Pro­fes­sor ir­gend­wann von sei­nen se­xu­el­len Be­dürf­nis­sen. Sie über­nach­te­te in sei­ner Woh­nung, sie ka­men sich auch se­xu­ell nä­her. Im Nach­hin­ein kann man schwer sa­gen, wer den Im­puls zu se­xu­el­len Ex­pe­ri­men­ten gab. Die bei­den be­such­ten nun re­gel­mä­ßig Swin­ger­klubs, manch­mal ka­men an­de­re Män­ner nach Hau­se. Es war sein Wunsch, ihr beim Sex mit ih­nen zu­zu­se­hen. Bose habe sich ir­gend­wann nicht mehr an­ge­strengt, sei­ne Ag­gres­sio­nen und Per­ver­sio­nen zu kon­trol­lie­ren, sag­te Ab­as­si der er­mit­teln­den Be­am­tin. Bose sagt, sei­ne Ge­lieb­te habe sicht­lich Ver­gnü­gen beim Sex mit an­de­ren Män­nern ge­habt. Hin­ter­her habe sie das nicht ein­ge­stan­den, »da war ich rich­tig böse«. Da sei mal ein Aschen­be­cher ge­flo­gen, da habe er viel­leicht den Satz ge­sagt, den Ley­la Ab­as­si in ih­rer Ver­neh­mung zi­tier­te: Er brau­che nur hin­zu­lan­gen, dann kle­be ihr Ge­hirn schon an der Wand. Er sei ein Cho­le­ri­ker, ernst mei­ne er das nicht. In nüch­ter­nen Wor­ten be­schreibt Ab­as­si acht Jah­re spä­ter der Po­li­zei, wie Bose drei­mal in sie ein­ge­drun­gen sei, ohne dass sie es ge­wollt habe. Manch­mal sei sie apa­thisch ge­we­sen, de­hy­driert und aus­ge­hun­gert. Sie habe ge­weint, etwa wenn sie von der Flucht aus ih­rer Hei­mat im Na­hen Os­ten er­zähl­te. Die­se Mo­men­te to­ta­ler Er­schöp­fung habe Bose aus­ge­nutzt. An die Wein­krämp­fe kön­ne er sich zwar er­in­nern, sagt Bose. Aus ei­ner trös­ten­den Um­ar­mung sei dann aber ein­ver­nehm­li­cher Sex ge­wor­den. Ley­la habe je­der­zeit ge­hen kön­nen, eine Flucht­tür zur Feu­er­trep­pe sei gleich ne­ben dem Schlaf­zim­mer ge­we­sen. »Die Vor­wür­fe sind ab­surd.« Die Staats­an­walt­schaft Mün­chen sieht sich nach in­ten­si­ven Er­mitt­lun­gen in ih­rer Ein­schät­zung be­stä­tigt: Sie wirft Hans-Jür­gen von Bose vor, er habe ge­zielt ein Kli­ma der Ge­walt und der Aus­weg­lo­sig­keit für die Be­trof­fe­ne ge­schaf­fen. Die­se habe um ihr Le­ben ge­fürch­tet, weil er ne­ben sei­nem Bett eine Waf­fe auf­be­wahr­te. Im Haus fand die Po­li­zei eine Schreck­schuss­pis­to­le. Kom­po­nist Eg­gert Ge­gen den Vor­ge­setz­ten aus­ge­sagt Wich­ti­ger aber ist ein an­de­res Druck­mit­tel, das die Staats­an­wäl­te an­füh­ren: Bose habe sei­ne Macht als Pro­fes­sor des Bru­ders an der Mu­sik­hoch­schu­le und als ein­fluss­rei­che Per­sön­lich­keit in der Mu­sik­sze­ne ge­zielt aus­ge­nutzt, um sei­ne Be­dürf­nis­se zu be­frie­di­gen. Er habe der Ge­schä­dig­ten an­ge­droht, er kön­ne ih­ren Bru­der rui­nie­ren. Bose sagt, es sei eine »glat­te und ex­trem bös­ar­ti­ge Lüge«. Eine re­nom­mier­te Psy­cho­lo­gin, die im Auf­trag des Land­ge­richts ein aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­sches Gut­ach­ten er­stellt hat, hält ge­ne­rell eine ab­sicht­li­che Falsch­be­zich­ti­gung der Frau für un­wahr­schein­lich. Al­ler­dings könn­ten sich de­ren Schil­de­run­gen in der Er­in­ne­rung teil­wei­se ver­zerrt ha­ben. Auch auf Grund­la­ge des Gut­ach­tens prüft das Land­ge­richt Mün­chen, ob es die An­kla­ge ge­gen Hans-Jür­gen von Bose zu­lässt. Drei Jah­re sind seit der Haus­durch­su­chung ver­gan­gen, ohne dass das Ge­richt ent­schie­den hät­te, was die Si­tua­ti­on für bei­de Sei­ten un­er­träg­lich macht: für die be­trof­fe­ne Frau, die auf Ge­rech­tig­keit hofft. Für den Be­schul­dig­ten, der sei­ne Un­schuld be­wei­sen will. Auch Sieg­fried Mau­ser tut sich schwer, Schuld bei sich zu fin­den. Er habe es ver­sucht, sagt der Ex-Prä­si­dent, als er sich An­fang Mai in ei­nem sel­te­nen Mo­ment bei ei­ner Ver­an­stal­tung bli­cken lässt, bei der Ver­lei­hung des Ernst von Sie­mens Mu­sik­prei­ses im Münch­ner Prinz­re­gen­ten­thea­ter. »Mir ist es bis­lang nicht ge­lun­gen.« Mau­ser ist ein an­ge­se­he­ner Kon­zert­pia­nist, Kam­mer­mu­si­ker und Lied­be­glei­ter. Als Mu­sik­wis­sen­schaft­ler und Prä­si­dent ei­ner der bes­ten Mu­sik­hoch­schu­len Deutsch­lands ge­noss er bald ei­nen Ruf, der über Bay­ern hin­aus­ging. Für die Staats­an­wäl­te aber ist er ein Mann, der eine un­be­kann­te Frau wie ne­ben­bei ver­ge­wal­tig­te. Ge­rüch­te über den ba­ro­cken Frau­en­hel­den gab es schon lan­ge, am 13. Mai 2016 kam es erst­mals zu ei­ner Ver­ur­tei­lung. Im April 2009 soll der Pro­fes­sor eine Kol­le­gin ge­gen ih­ren Wil­len ge­küsst und se­xu­ell ge­nö­tigt ha­ben. Ein Schöf­fen­ge­richt ver­ur­teil­te ihn zu 15 Mo­na­ten Frei­heits­stra­fe auf Be­wäh­rung und Zah­lung von 25 000 Euro, in der Be­ru­fung wur­de die Stra­fe auf neun Mo­na­te re­du­ziert. Über die Re­vi­si­on muss noch ent­schie­den wer­den. Von ei­nem an­de­ren Vor­wurf sprach ihn das Ge­richt frei: 2012 hat­te Mau­ser ei­ner re­nom­mier­ten Kon­zert­gi­tar­ris­tin meh­re­re Zun­gen­küs­se auf­ge­nö­tigt und sie in den Dienst­räu­men wäh­rend ei­ner Pro­be an den Ge­ni­ta­li­en be­rührt. Die Frau habe sich nicht er­kenn­bar ge­gen ihn zur Wehr ge­setzt, stell­te das Ge­richt fest. Ein Ar­gu­ment, das Mau­sers An­wäl­te im lau­fen­den Ver­fah­ren an­brin­gen: Die Frau, die sagt, sie sei im Prä­si­den­ten­zim­mer ver­ge­wal­tigt wor­den, habe spä­ter mit Mau­ser ein­mal ein­ver­nehm­lich Sex ge­habt. Die drei Ver­tei­di­ger glau­ben, dar­in ei­nen Wi­der­spruch ent­deckt zu ha­ben. Für den Ham­bur­ger Se­xu­al­wis­sen­schaft­ler Peer Bri­ken ist es al­ler­dings nicht un­ge­wöhn­lich, dass sich die Vor­stel­lun­gen über das, was je­mand als ein­ver­nehm­lich er­lebt, auch kurz­fris­tig än­dern kön­nen. »Man kann bei aus­ge­präg­ter ei­ge­ner se­xu­el­ler Er­re­gung, Ver­liebt­heit, Sti­mu­liert­heit den Schmerz beim Anal­ver­kehr ge­nie­ßen und un­ter den Um­stän­den des ge­walt­tä­ti­gen Aus­nut­zens von Macht und Ab­hän­gig­keit das ein­deu­tig als er­zwun­ge­ne Er­nied­ri­gung er­ken­nen«, sagt Bri­ken. Bei strit­ti­gen Er­fah­run­gen und Tat­sa­chen zwi­schen zwei Men­schen müs­se die­se nor­ma­ti­ve Ent­schei­dung ein Rich­ter tref­fen. Kon­zert­saal in der Hoch­schu­le: Gro­ße Ab­hän­gig­keit vom Do­zen­ten Die An­wäl­tin Ant­je Bran­des, die be­trof­fe­ne Frau­en ver­tritt, sagt: »Wir wis­sen in­zwi­schen von vie­len Frau­en, de­rer der An­ge­klag­te sich ein­fach be­dient hat, er hat sei­ne Macht­stel­lung ri­go­ros aus­ge­nutzt.« Auch die Rek­to­ren­kon­fe­renz der Mu­sik­hoch­schu­len hat sich mit den Vor­gän­gen be­fasst. »Die Zei­ten von Don Gio­van­ni und Fi­ga­ro sind Ver­gan­gen­heit«, sagt die Vor­sit­zen­de Su­san­ne Rode-Brey­mann. Sie be­grü­ße es, dass sich wis­sen­schaft­li­che In­sti­tu­tio­nen zum The­ma der se­xu­el­len Überg­rif­fe klar po­si­tio­nier­ten und Maß­nah­men so­wie Stan­dards ent­wi­ckel­ten. In der Rek­to­ren­kon­fe­renz habe man schon vor zwei Jah­ren da­mit an­ge­fan­gen. »Al­ler­dings ob­liegt die Um­set­zung den ein­zel­nen Hoch­schu­len.« An der Münch­ner Hoch­schu­le wan­deln sich die Struk­tu­ren nur lang­sam. Zu sta­bil wa­ren sie, so­dass macht- und selbst­be­wuss­te Prot­ago­nis­ten wie Mau­ser und Bose über Jah­re un­ge­hin­dert agie­ren konn­ten. Bei­de Pro­fes­so­ren wa­ren be­freun­det und hal­fen ein­an­der. Sie tran­ken Bier zu­sam­men und schwärm­ten zeit­wei­lig für die­sel­be Frau. Es führ­te dazu, dass Sieg­fried Mau­ser sich am 8. Mai 2007 von der Auf­sichts­pflicht als Rek­tor dis­tan­zie­ren woll­te – aus per­sön­li­cher Be­fan­gen­heit. In die­sem Um­feld kam es vor, dass Do­zen­ten mit ih­ren Stu­den­tin­nen Af­fä­ren ein­gin­gen und Kin­der mit ih­nen zeug­ten. Es war auch kei­ne Sel­ten­heit, dass of­fen se­xu­el­le For­de­run­gen ge­stellt wur­den, wie meh­re­re Zeu­gen vor Ge­richt aus­sag­ten. Man­cher Do­zent tarn­te sei­ne se­xu­el­le Gier of­fen­bar als Übung für die Büh­ne. Eine Stu­den­tin er­in­nert sich an eine Ver­ge­wal­ti­gungs­sze­ne, die ein Pro­fes­sor wie­der und wie­der ein­stu­die­ren ließ. »Ich stand an der Säu­le, und mein männ­li­cher Kom­mi­li­to­ne soll­te mich ›na­geln‹, so nann­te es der Do­zent«, er­zählt sie. »Nach Mei­nung des Pro­fes­sors hat sein Be­cken aber nicht au­then­tisch ge­nug ge­gen meins ge­knallt. Also stell­te sich der Pro­fes­sor hin­ter den jun­gen Mann und zeig­te, wie man es rich­tig macht.« Die Stu­den­tin möch­te ih­ren Na­men nicht ver­öf­fent­licht se­hen. Die Angst, of­fen zu spre­chen, ist bei vie­len noch im­mer groß. Die Hoch­schul­lei­tung be­teu­ert in in­ter­nen Run­den, sie tue al­les, um die At­mo­sphä­re zu ver­bes­sern. Sie ver­weist auf ei­nen Fly­er, den je­der Stu­dent in die Hand ge­drückt be­kommt, mit dem Mot­to »Nein heißt Nein«. Als die ehe­ma­li­ge Frau­en­be­auf­trag­te vor Ge­richt zu die­sem Fly­er be­fragt wur­de, sag­te sie: »Da gab es ei­nen, ja. Mehr weiß ich nicht.« Die Rich­te­rin hak­te nach: »Aber Sie müs­sen es doch wis­sen! Sie wa­ren die Frau­en­be­auf­trag­te!« Die Ge­fahr sol­cher Struk­tu­ren war der Hoch­schul­lei­tung schon lan­ge be­kannt, spä­tes­tens seit 1995. Der 16-jäh­ri­ge Jung­stu­dent Hein­rich Et­ten­ho­fer(*) be­rich­te­te da­mals, Pro­fes­sor Bose habe ihm se­xu­el­le Avan­cen ge­macht. Sei­ne El­tern hät­ten sich wahr­schein­lich ge­wun­dert, wenn sie ge­wusst hät­ten, dass der Pro­fes­sor den ta­len­tier­ten Jun­gen gleich bei der ers­ten Be­geg­nung zum Eis­es­sen aus­führ­te und spä­ter an­bot, er kön­ne nach ei­nem Kon­zert bei ihm über­nach­ten. Zu­nächst ver­trau­te sich der Jung­stu­dent sei­nem Leh­rer am In­ter­nats­gym­na­si­um an. Er er­zähl­te ihm auch, dass der Pro­fes­sor ihn auf­ge­for­dert habe, »das wil­de Tier« in sich her­aus­zu­las­sen. Der Gym­na­si­al­leh­rer un­ter­nahm nichts, erst Et­ten­ho­fers Kla­vier­leh­re­rin sah Hand­lungs­be­darf. Sie kann sich noch heu­te an al­les er­in­nern. Sie rief den Pro­fes­sor an und ver­wi­ckel­te ihn in ein Ge­spräch, das sie mit ei­nem al­ten An­ruf­be­ant­wor­ter mit­schnitt. Aus­ge­stat­tet mit die­sem Ma­te­ri­al, be­schwer­te sie sich bei der Mu­sik­hoch­schu­le: Bose habe sei­ne Stel­lung als Lehr­per­son sträf­lich aus­ge­nutzt. Er habe den Schü­ler be­drängt zu­zu­ge­ben, schwul zu sein. In der Hoch­schu­le lös­te der Mit­schnitt Un­ru­he aus. Der Kanz­ler in­for­mier­te das baye­ri­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um, ein Re­gie­rungs­di­rek­tor bat dar­um, die Er­mitt­lun­gen dis­kret ab­lau­fen zu las­sen, der Mi­nis­ter wur­de ein­ge­weiht. Schließ­lich er­fuhr auch der Va­ter des Jun­gen von den Vor­wür­fen. Er ging zur nächs­ten Po­li­zei und woll­te An­zei­ge er­stat­ten. Die Po­li­zis­ten rie­ten ihm ab: Es sei ja nichts Hand­fes­tes vor­ge­fal­len. Ohne El­tern und An­walt wur­de der Jung­stu­dent in die Hoch­schu­le ge­la­den und zwei Stun­den lang be­fragt, spä­ter folg­te eine An­hö­rung im Mi­nis­te­ri­um. Er woll­te un­be­dingt Kom­po­si­ti­on stu­die­ren und war dank­bar, dass die Hoch­schu­le ihm we­nig spä­ter ge­stat­te­te, den Leh­rer zu wech­seln. Im Ge­gen­zug un­ter­schrieb er ein Pro­to­koll, das nach sei­ner heu­ti­gen Ein­schät­zung mehr als be­schwich­ti­gend war. Hans-Jür­gen von Bose sagt, die In­itia­ti­ve sei von dem Jun­gen aus­ge­gan­gen, der ihn bei der Auf­nah­me­prü­fung stän­dig an­ge­starrt habe. Er habe sich mit ihm ge­trof­fen, Eis ge­ges­sen und ihn ein paar­mal un­ter­rich­tet, da­nach habe es kein Tref­fen ge­ge­ben. Er sei dann ins Mi­nis­te­ri­um zi­tiert wor­den, weil sich der Jun­ge be­schwert habe. Dort habe man ihn vor »ei­nem Skan­dal« ge­warnt, das Mi­nis­te­ri­um hat­te sei­ne Oper »Schlacht­hof 5« nach Bo­ses An­ga­ben mit 100 000 Mark fi­nan­ziert. Kur­ze Zeit spä­ter habe er den Jun­gen auf der Stra­ße ge­trof­fen und in sei­ne Woh­nung ge­be­ten. Erst da habe er ihn da­mit kon­fron­tiert, dass er wohl mit sei­ner Ho­mo­se­xua­li­tät nicht zu­recht­kom­me. Das wis­se er, weil es ihm in sei­ner Ju­gend ge­nau­so ge­gan­gen sei. Der Stu­dent hat noch den Ab­schluss ge­macht, aber da­nach auf­ge­hört zu kom­po­nie­ren. Er sagt, dass er mit die­sen Men­schen nichts mehr zu tun ha­ben wol­le. * Na­men ge­än­dert. Martin Knobbe, Jan-Philipp Möller

Datenschützer und Journalisten


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"In China ist der Kunde gläsern. 800 Millionen Kunden, Nutzerprofile, Gesichtserkennung: Alibaba überwacht den Alltag der Chinesen. Wie genau, zeigt ein Besuch im Supermarkt der Zukunft. Von Felix Lee, Peking"

Das Folgende sage ich in solchen Zusammenhängen immer, und ich habe es auch hier im Kommentarbereich, wenn ich mich recht erinnere, schon zweimal gesagt. Also – das mit dem gläsernen Menschen / Kunden bleibt so lange eine völlige Schimäre, als man nicht sagt, was daraus folgt. Für viele Leute steht im Hintergrund offenbar: „Da gibt es jemanden, der mich persönlich, mich, Franz Meyer, überwacht und alles über mich weiß!“ Das ist aber weder bei Amazon noch bei Alibaba irgendwie das Ziel, schon allein, weil es nicht die Kapazität gibt, auf irgendjemanden als Einzelperson zu schauen. Einzelpersonen interessieren nicht, soweit sie nicht Verbraucher sind, die man – als Gruppe oder Cluster – halten kann und bei denen man noch mehr Geld herausholen kann. Das geht subtil und, was Amazon angeht, tatsächlich vor allem ÜBER DAS GROSSE SCHLAGWORT "KUNDENFREUNDLICHKEIT". (Warum ist Amazon so groß geworden? Weil es in Sachen Kundenfreundlichkeit überzeugend auftritt!)

Also – ich sehe hier vor allem Journalisten und Datenschützer unterwegs, die Schimären aufbauen, die bei den Leuten in den Köpfen wirken sollen. Die meisten Menschen sind aber durchaus imstande, ihre eigenen Interessen und auch irgendwelche Bedrohungen zu überblicken. Sie brauchen da keine Gouvernanten, die sie ständig ermahnen und auf irgendetwas aufmerksam machen.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Die Programm-Macher können kein Deutsch!

Hier geht es um CorelPaint. Es könnte auch ein anderes Programm sein. Also -- ein Beispiel nur.

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Ich arbeite an einer Grafik und kriege wieder mal den Föhn! Die Programm-Macher, denen ich ja wegen ihres tollen Programmierkönnens auf ewig dankbar bin -- sie können einfach kein Deutsch oder Englisch oder irgend eine andere normale Sprache. Sie können nicht aus ihrer Programmierer-Rolle raus!

Ich will eine Farbe transparent machen. Das geht, ich weiß. Aber wie bei CorelPaint? Nach langem Suchen eine Hilfe:

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Ausgewählte Farben in Objekten transparent machen

Sie können alle Pixel einer bestimmten Farbe oder eines Farbbereichs im aktiven Objekt transparent machen. Wenn Sie einen oder alle der Farbauswahlknoten entfernen, werden die Pixel einer bestimmten Farbe wieder deckend.

So machen Sie ausgewählte Farben in einem Objekt transparent

1. Wählen Sie ein Objekt aus.

2. Klicken Sie in der Hilfsmittelpalette auf das Hilfsmittel Farbtransparenz .

3. Geben Sie in der Eigenschaftsleiste im Feld Toleranz einen Wert ein, um den Farbbereich festzulegen, der transparent werden soll.

Wenn Sie die umgebenden Farben mit den transparenten Pixeln überblenden möchten, geben Sie im Feld Transparenzglättung einen Wert ein. Je höher der Wert ist, desto glatter ist der Übergang.

4. Klicken Sie auf eine Farbe im Bildfenster.

Einige der in dieser Hilfe beschriebenen Funktionen sind in der CorelDRAW Home & Student Suite X8 nicht enthalten, sondern nur in der CorelDRAW Graphics Suite X8 verfügbar.

Copyright 2016 Corel Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

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Verschenkt die Rechte! Da ist nichts, was wert wäre, aufgehoben oder eingeklagt zu werden!

Ich könnte jetzt eine ganze Abhandlung schreiben, warum diese Formulierungen sowas an den sprachlichen Möglichkeiten vorbeigehen! 

Ich nehme nur etwas extrem Schlichtes heraus:

"Einige der in dieser Hilfe beschriebenen Funktionen sind in der CorelDRAW Home & Student Suite X8 nicht enthalten, sondern nur in der CorelDRAW Graphics Suite X8 verfügbar."

Ja, Leute, wollt ihr mich in den Wahnsinn treiben? "Einige Funktionen"?! Die Frage ist doch schlicht: 
  • Welche Funktionen? 
Soll ich denn nach Indien reisen, um herauszufinden, welche Funktionen gemeint sind, oder was?

Und jetzt auch das noch:

"Wenn Sie einen oder alle der Farbauswahlknoten entfernen, werden die Pixel einer bestimmten Farbe wieder deckend."

Das ist sowas von beknackt formuliert! Wer ruft mich an und gibt mir 5 Euro, damit ich einen vernünftigen, verständlichen Satz draus mache?!

Die ZEIT-Kontrolleur-Retourkutsche

Meine Anmerkung bei der ZEIT, die unmittelbar vorher steht, wurde gelöscht. Ich habe eine Retourkutsche formuliert:

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"Entfernt. Bemühen Sie sich bitte um ein wenig Substanz. Wir wünschen uns Argumente und eine sachliche Auseinandersetzung mit einem Thema. Danke, die Redaktion/fk"

Das alte leidige Thema. Ich bin überzeugt, dass ich nicht -- nie ohne Substanz schreibe. Vielleicht für einen ZEIT-Kontrolleur irritierend belustigt, manchmal auch mit gewagten Assoziationen, aber immer mit Substanz

Das wäre mir jetzt aber nicht so wichtig, wenn nicht die Antworten auf mein angeblich Substanzloses gleich mit in den Orkus gewandert wären. Wenn jemand per Zufall eine Kopie seiner Anmerkung hat -- jede Meinung zählt! Bitte direkt an mich!

Dann noch hinzugefügt:

Und wenn es erlaubt ist, meine Ansicht außerhalb dieses Kommentarbereichs den Mit-Kommentatoren zur Prüfung vorzulegen? Dann wäre ich dankbar, wenn dieser Link stehen bleiben würde.


http://haizara-x.blogspot.de/2018/05/rezension-von-eva-biringer.html

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Jetzt bin ich mal gespannt!

Dienstag, 8. Mai 2018

Rezension von Eva Biringer

Kommentar zu einem ZEIT-Artikel.

[ Dieser Kommentar "Schon mal sehr gut...", s. direkt hier unten, wurde von der ZEIT-Kontrolle wegen Substanzlosigkeit gelöscht. Siehe den nachfolgenden Kommentar zu dieser Löschung. ]

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Wer eigenwillig ist, wird bestraft. Marilyn Monroe war nur ein Fall: Connie Palmen zeigt in ihrem Buch "Die Sünde der Frau", wie Frauen zerstört werden, die sich gesellschaftlichen Konventionen verweigern. Eine Rezension von Eva Biringer

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Schon mal sehr gut, diese beiden Kommentare vorher. Jetzt fehlt nur noch, dass die Autorin des Artikel etwas dazu sagt.

Darf man polemisch werden?

Was haben eine bestimmte Art von Feministinnen und die meisten Gruppen von Palästinensern gemeinsam?

Sie glauben, dass eine Mischung von Dauerjammern unter gleichzeitiger Verherrlichung von Kampf und Aggression für sie zum Erfolgt führt.

Was denken die anderen?

Sie denken still: Was für ein Irrtum!

Heidegger

<Herausgenommen.>

Die politischen und strategischen Standardwerke

[ Die Folgegeschichte, um die es eigentlich geht, folgt also tatsächlich unmittelbar. ]

Im ZEIT-Kommentarbereich ergibt sich eine kleine, aber wie ich finde wunderschöne Diskussion. Um sie zu verstehen, muss man die Kommentare ansehen. Ich ziehe sie der Einfachheit halber mal hierher.

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"China. Xi Jinping, Vorsitzender von allem. Chinas Staatspräsident Xi Jinping ist der Mao Zedong des 21. Jahrhunderts. Er will China zu neuem Weltruhm führen. Wie groß sind seine Erfolgschancen? Ein Gastbeitrag von Willy Lam, Hong Kong."

Die Anmerkung der Kommentatorin Margrit Ryssel war:

Xi JinPing braucht keinen Machiavelli als literarische Vorlage. Der hat Sun Tzus "Die Kunst des Krieges" von rechts nach links + von oben nach unten gelesen und - das können wohl nur wenige von sich behaupten - auch in Globo und im Detail verstanden.

Ohne profunde Kenntnisse dieses Standartwerkes der Kriegsführung hätte er es so nicht dahin gebracht, wo er jetzt steht. Dagegen hat D. Trump mit seinem Buch "The Art of Deal" (das womöglich einzige Buch, das der aktuelle PotUS je zur Gänze gelesen hat) 0,0 Chancen in einem Handelskrieg gegen China.

Notfalls sitzen die Chinesen die noch max 7 Jahre Trump einfach aus. Abwarten + Teetrinken heisst diesfalls deren Devise.

mfg -rym / CH

PS Im chinesischen Schach, welches von unserem Schach stark abweicht, gibt es übrigens kein Patt. Wer den Gegner in ein Patt setzt, hat die Partie automatisch gewonnen.

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#56.7

"Ohne profunde Kenntnisse dieses Standartwerkes der Kriegsführung hätte er* es so nicht dahin gebracht, wo er jetzt steht."

Ich bin sicher, die Bedeutung aller politischen und strategischen Standardwerke [sic] wird mit Blick auf die praktische Politik hoffnungslos überschätzt. Alte Bücher helfen nie, wenn es um gegenwärtige Probleme geht. Die Aussagen in diesen Büchern sind so allgemein und vage, dass man alles Mögliche hineininterpretieren kann. Natürlich putzt es ungemein, wenn man sagt, dass man "seinen Machiavelli" oder "seinen Sunzi" studiert hat; aber das ist – eines meiner Lieblingswörter in solchen Zusammenhängen: nur Belesenheitsgeklingel.

Um nicht zu allgemein zu bleiben: Was lesen wir denn hier raus?

"... So wird der erleuchtete Herrscher und der weise General die Intelligentesten seiner Armee als Spione einsetzen und auf diese Weise hervorragende Erfolge erzielen. Spione sind ein äußerst wichtiges Element des Krieges, denn von ihnen hängt die Fähigkeit der Armee ab, sich zu bewegen."

* Das ist also: Xi Jinping.

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#56.8 Sorry - Du unterschätzt meines Erachtens die klassische Literatur. Es gibt in allen Wissens-Sparten sog. Klassiker, die man gelesen und wenigstens im Ansatz verstanden haben muss, wenn man auf dem betreffenden Wissensgebiet mitreden will.

Die Kommentatorin Margrit Ryssel, die vielleicht tatsächlich so heißt und offenbar aus der Schweiz kommt, merkt an:

"In Sachen Philosophie bspw. gehören Kant, Heidegger, Nietsche, Habermaas u.a., soweit ich weiss, einfach mit dazu. Ich hab von denen bspw 0 Ahnung."

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Ich antworte:

"Ach, was sind Sie* mir sympathisch!

Ich könnte jetzt hier eine kleine Geschichte erzählen, die als Kommentar zu diesem Kommentar dienen würde; aber das würde hier komplett vom Thema wegführen. Darum mache ich es an anderer, mir vertrauter Stelle. Das hier kopiere ich der Einfachheit halber mal dorthin.

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* Ich wurde, wenn ich mich recht erinnere: tatsächlich bei meinem allerersten Kommentar hier, harsch darauf hingewiesen, dass man sich in diesem Kommentarbereich aber sowas von sieze! Ich war das aus anderen Foren nicht gewohnt, habe mich seitdem aber, da ich leicht zu erschrecken bin, daran gehalten. Sollten wir uns einmal im Biergarten oder auf der Alm begegnen, dann duzen wir uns natürlich.

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Jetzt fehlt natürlich die Geschichte. Weil das hier einfach zu lang wird, mache ich daraus einen eigenen Eintrag.

Montag, 7. Mai 2018

"Mit einer Verfassung schützt eine Generation ..."

Korrigierte Fassung meines Kommentars in der ZEIT, heute.

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Schön, dass wir darüber kurz ins Gespräch kommen!

"Mit einer Verfassung schützt eine Generation ihre politischen Vorstellungen vor den politischen Vorstellungen künftiger Generationen. Das kann richtig oder falsch sein, kommt immer darauf an, wie diese Vorstellungen propagiert werden."

Vorab, jetzt wird es leicht polemisch: Wenn es auf das Propagieren von Vorstellungen nur ankommt, dann ergeben sich die argumentativen Leerstellen: 
  • Wem gegenüber propagiert? 
  • Mit welchen Eingriffsmöglichkeiten des Adressaten? 
  • Gibt es keine überzeitlichen Größen, an denen die Legitimität von Regimen gemessen werden könnte? (Macht jedes Regime seine eigenen „Menschenrechte“, die mit seinen Vorstellungen von Herrschaft und der tatsächlich ausgeübten Herrschaft kompatibel sind?) 
Das Polemische jetzt: Konnte also Goebbels 1944 das Nazi-Regime nicht nur als legitim, weil ja vom Volk gewollt, propagieren, sondern sich auch darauf verlassen, dass es in den Augen von Formaljuristen legitim ist? (Wir sehen bei der Gelegenheit, dass es neben der Revolution und der Notstandsgesetzgebung noch die militärische Niederlage gibt, nach der die Sieger ihr politisches System als das legitime liefern und zur Übernahme bitten.)

In der Summe: Ich plädiere dafür, dass es Argumente gibt und die Fähigkeiten zum Argumentieren. Beides steht meiner Überzeugung nach über dem Formaljuristischen. Denn es gilt, wie das Volk es sich so denkt: Wenn jemand die Macht hat, findet sich immer eine Gruppe von Juristen, die, zum eigenen Nutzen und zur Beförderung der eigenen Karriere, formaljuristisch beweisen, dass diese Macht legitim erworben wurde und ausgeübt wird.

Leichte Polemik, Teil 2: Wenn eine Apartheid- oder Sklavenhaltergesellschaft ihre Vorstellung von Herrschaft in eine Verfassung schreibt, kann sie sich dann darauf verlassen, dass ihre Vorstellung von Gesellschaft gegenüber den „Vorstellungen künftiger Generationen“ geschützt ist Und zwar "zu Recht"?

Freitag, 4. Mai 2018

"Polizei fahndet"

Deutschlands sollte, hieß es einmal, bunter werden. So wie im folgenden war das wahrscheinlich nicht gemeint. Dass zusätzliche Eifersuchtsmorde ins Land kommen. 

Bluttat vom Jungfernstieg: Polizei fahndet nach neuem Partner der getöteten Frau | Samstag, 28.04.2018 || Mehr als zwei Wochen sind vergangen, seit Mourtala M. (33) seine Ex-Freundin Sandra P. ( 34) und die gemeinsame Tochter Miriam ( 1) am Jungfernstieg mit einem Messer tötete. Mama Sandra war damals in Begleitung ihres neuen Freundes. Nach ihm fahndete die Polizei. Der Mann ließ ihren dreijährigen Sohn nach der Tat stehen und flüchtete. Jetzt fragt die Polizei die Öffentlichkeit: Wo steckt Moses? (focus.de)

Ein grob gerastertes Gesicht ist zu sehen. Ein offenbar schwarzer Mann mit Baseballmütze. Das kann natürlich nicht als Suchbild dienen. Ist ein solcher Mord nicht Grund genug, um mit unverpixelten Bildern zu suchen?

Im Fall des „Gotthard-Rasers“…

… eine Wikipedia-Café-Diskussion. Mit nicht uninteressanten Facetten und, bislang, eine relativ eindeutigen Ausrichtung.

Die Hintergründe des Falls wurden hier bereits erläutert.

Donnerstag, 3. Mai 2018

Sinn des Lebens 1: Alter und Zeit

Notizbuch: Zeit, Leben und Sterben

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Mit über 100 Jahren ging er noch täglich arbeiten: David Goodall ist Australiens bekanntester und ältester Biologe und Ökologe. Nun möchte der 104-Jährige sterben – wegen der schwindenden Lebensqualität.

...

„Ich möchte nicht in die Schweiz, auch wenn es ein nettes Land ist. Aber ich muss das tun“, sagte Goodall und kritisiert Australiens Sterbehilfeverbot. Wegen dieser Situation sei er sehr „aufgebracht“. Sich für die Sterbehilfe in einem gewissen Rahmen einzusetzen sei alles, was er noch tun könne.

Erster Klasse nach Europa

Eine Crowdfunding-Organisation hatte Goodall dabei geholfen, Spendengelder für die Reise und einen Erste-Klasse-Flug zu sammeln.

Ausschlaggebend für Goodalls Entscheidung, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, war offenbar ein Sturz in seiner Wohnung, in der er noch allein lebte. Goodall war danach längere Zeit nicht mehr bewegungsfähig: „Ich habe nach jemanden gerufen, aber es hat mich niemand gehört.“ Erst zwei Tage später habe ihn seine Putzfrau gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Durch die im Anschluss notwendige Behandlungen und seine schlechte Gesundheit fühle er sich gedemütigt.

„Ich bin 104 Jahre alt und habe sowieso nicht mehr viel Zeit. Es macht mich unglücklich“, sagte Goodall. Er sei des Lebens müde. Er sei auch überhaupt nicht traurig, dass er sterben müsse, auch wenn er gerne 20 oder 30 Jahre jünger wäre. „Ich betrachte den Tod nicht als grauenvoll. Ich sehe es als natürlich an“, antwortete Goodall auf die Frage, ob er keine Angst vor dem Tod habe. „Man lebt einige Jahrzehnte und dann stirbt man. Es ist nicht traurig. Was traurig ist, ist, wenn das verhindert wird.“

Goodall wurde 1914 in London geboren und zog 1948 nach Australien, wo er an der Universität in Melbourne seine Lehrtätigkeit aufnahm. Goodall hinterlässt Dutzende wissenschaftliche Expertisen. (welt.de)

Dschihadisten im Ruhestand

Notizbuch (Fortsetzung):

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NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU): „Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sami A. möglichst bald im Flugzeug nach Tunesien sitzen würde. Dann müsste die NRW-Polizei ihn nämlich nicht weiter überwachen.“ Es sei jetzt „Aufgabe des Bundes, insbesondere des Bundesinnenministeriums, die diplomatischen Bemühungen zu forcieren“ und von tunesischer Seite eine diplomatische Schutz-Garantie für Sami A. zu bekommen, sagt der zuständige NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP).


Auf Anfrage werde er ein solches Dokument gern ausstellen, versicherte Minister Gharbia gegenüber BILD. Nur: Eine Anfrage aus Berlin kam bisher nicht an. ... FDP-Chef Christian Lindner: „Es ist jetzt an der Bundesregierung, die Signale aus Tunis zum Anlass für konkrete Vereinbarungen zu nehmen.“ 



CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt: „Salafisten und Gefährder wie Sami A. haben in Deutschland keinen Platz und gehören abgeschoben.“ Deutschland dürfe „kein Rückzugsraum für Dschihadisten im Ruhestand werden“. (bild.de)