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Mittwoch, 8. März 2017

Thomas Fischer und Jan Böhmermann

Gestern hat mich eine Diskussion auf der ZEIT-Seite die Kolmne von Thomas Fischer interessiert.  Und ich habe als BDLB bei den "Kommentaren" mitgemacht.

Als ich jetzt nachschaue, was sehe ich? "Entfernt". Ich antworte.

"Entfernt. Wir bitten um sachliche Kommentare. Die Redaktion/rgo"

Als ich das jetzt gesehen habe, war ich -- zum ersten Mal seit hier mitlese und mitschreibe -- vollkommen platt. Ich kann eigentlich ganz gut einschätzen, wie 'sachlich' meine Kommentare sind, ich werde sehr selten hier rausgenommen, und bei diesen sehr seltenen bisherigen Fällen habe ich gegrinst: "Schon ok!" Was ich gestern hier geschrieben habe, war, da bin ich sicher, zwar an einer Stelle leicht polemisch, aber in der Gesamtheit zur Sache und nicht unsachlich. 

Na gut, ich hatte eine Kopie. Sollte es jemanden wirklich interessieren -- anschließend lässt es sich mit den üblichen Mitteln an anderer Stelle finden und beurteilen.

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Nämlich hier. Geschrieben hatte ich also:

“Mir geht es hier nicht um Kritik eines Urteils, das ich gar nicht kenne, sondern um das grundsätzliche Problem.“ [Thomas Fischer in seiner Kolumne]

Warum erinnert mich das Zitat an die Causa Böhmermann? “Mir geht es hier nicht um Kritik eines Urteils, das ich gar nicht kenne, sondern um das grundsätzliche Problem. Vielleicht weil es in beiden Fällen um eine eingeübte juristische Finte geht?
Nun denn, Böhmermann: »Also das jetzt, das dürften Sie auf keinen Fall sagen. Denn was wäre ein Schmähgedicht: ›Sackdoof, feige und verklemmt, / ist Erdogan, der Präsident. / Sein Gelöt stinkt schlimm nach Döner, / selbst ein Schweinefurz riecht schöner.‹ Also, das dürfte man auf keinen Fall sagen!
Fischer: »Mir geht es hier nicht um Kritik eines Urteils, das ich gar nicht kenne, sondern um das grundsätzliche Problem. ›Stellen Sie sich vor, Sie möchten ein (illegales) Straßenrennen bestreiten. Was ›denken‹ Sie, falls Sie etwas denken? Was ›fühlen‹ Sie? Was wollen Sie? Und vor allem: Welche ›subjektive Vorstellung‹ haben Sie im Hinblick auf die Schädigung der Rechtsgüter Unbeteiligter (hier: das Leben Dritter)? Konkret: Ist es Ihnen ›egal‹ ob Sie ...‹«
Ich meine, wenn das, was Herr Fischer sagt, nichts mit dem Berliner Urteil zu tun hat, und zwar als kritische Anmerkung – was soll es denn dann hier?

In meinem Fach gibt es den Terminus ›Präsuppostion‹. Mal grob übersetzt mit: ›das, was alles mit angenommen wird, wenn man über eine Sache spricht‹. Ich schlage mal vor, dass die Juristen zur Erweiterung ihres Horizonts sich mal ausführlicher mit diesem Begriff beschäftigen.

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Nun denn, beim Wiederlesen eben habe ich allmählich verstanden, was den Zensor der ZEIT aufgeregt hat. Das hier ist eine doppelt gedrehte Finte: ein Zitat im Zitat eines Zitats. Jedenfalls kann man es, wenn man müde ist vom andauernden Mitlesen, so sehen und empfinden. Noch dazu, da die Böhmermann-Worte, zitiert, die in der ZEIT ja nun keinen Platz haben, weil sie -- wirklich geschmacklos sind. Jetzt steht das Ganze also nicht mehr im ZEIT-Forum, sondern hier.