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Donnerstag, 11. Mai 2017

"Mein Leben als Luftballon" (Literarische Skizze)


"Er hatte eben eine E-Mail an einen ihm unbekannten Forscher geschrieben, und er dachte jetzt über die Gepflogenheiten nach, die galten, wenn man sich auf diese Weise unbekannten Kollegen näherte. Er sagte sich auch gleich, dass das, was ihm da soeben als Bild aufgegangen war, für alle Kontakte galt. Man näherte sich dem anderen wie einem Luftballon. Also extrem vorsichtig. Warum war das so? Es entstand doch kein Schaden, wenn sich Luftballons zu nahe kamen, gar aneinanderstießen. Sie prallten voneinander ab, ohne Schaden zu nehmen. Was war da also los?

Nun, sagte er sich, die Ballons hatten Angst, dass der andere Ballon, aus welchen Gründen auch immer, eine Nadel an seinem Äußeren eingearbeitet hatte. Er kam näher, und wenn man die Nadel sah, war es schon zu spät: Peng! Und das wissenschaftliche Leben, die eigene Reputation war dahin. 

Also signalisierte man dem anderen: Ich werde dir nicht zu nahe kommen! Keine Angst. Selbst wenn ich eine Nadel an meiner Außenseite trage, ich werde dich nicht in Gefahr bringen. Und der angenehme Effekt für mich ist auch -- Du wirst mich nicht in Gefahr bringen können. 

Und wenn uns andere, die dieses Spiel nicht kennen, als aufgeblasen bezeichnen? Sollen sie ruhig. Sie gehören ja nicht zu uns." (BDLB)